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Hl. Josef

Das Predigten und Fürbittenbuch - www.kirchenweb.at

1. Lesung:
2 Sam 7, 4-5a. 12-14a. 16
2. Lesung: Röm 4, 13. 16-18. 22
Evangelium: Mt 1, 16. 18-21.24a

 

Der heilige Josef war der "Bräutigam der Gottesmutter", der "Mann Marias", und wir erfahren über ihn aus der Heiligen Schrift. Hilfreich war mir auch ein Apostolisches Schreiben von Papst Johannes Paul II. über die Gestalt und Sendung des heiligen Josef aus dem Jahre 1989.

Dieses Schreiben enthält sehr viele Anregungen, ausgehend von der Heiligen Schrift, ein Leitbild zu entwerfen, das uns vom heiligen Josef her gegeben ist.

Ich möchte versuchen, die Gestalt des heiligen Josef ein wenig zu aktualisieren.

Wir haben schon in der Weihnachtszeit gehört, dass dem Evangelisten Matthäus der heilige Josef sehr wichtig war. Matthäus schreibt sein Evangelium an Judenchristen, die mit dem Alten Testament vertraut waren, und der heilige Josef ist für ihn der Garant dessen, dass Jesus Nachkomme Davids ist und damit auch der verheißene Messias.

Bei Matthäus ist der Engel Gabriel nicht der Maria, sondern dem Josef erschienen ist. Josef ist der "gesetzliche Vater" Jesu, der Namensgeber, aber ausdrücklich nicht der leibliche Vater! - Es ist doch entscheidend, dass sich in der Geburt von Jesus Unfassbares ereignet, was sich dem menschlichen Denken entzieht und nicht erklärt werden kann: dass Gott Mensch wird "durch das Wirken des Heiligen Geistes."

Im weiteren Leben Jesu hören wir kaum noch vom heiligen Josef und irgendwie zeigt sich schon in der Kindheitsgeschichte Jesu das "Schicksal" des heiligen Josef, in den Hintergrund treten zu müssen, damit die Vaterschaft Gottes um so mehr verkündet wird.

Gerade das sich Zurücknehmen wird zur Größe des heiligen Josef, die wir von ihm lernen könnten. Es ist eine christliche Tugend, auch im Hintergrund stehen zu können.

Der heilige Josef ist eine große Gestalt des Glaubens. Wie Abraham auf die Verheißung Gottes hin aufgebrochen ist in die ungewisse Zukunft des gelobten Landes, so hat auch Josef auf das Wort Gottes gehört. Man tut ihm unrecht, das JA zum Willen des Vaters im Schatten der Zustimmung Mariens zu übersehen. In seinem JA zum Willen des Vaters ist Josef ein männliches Ideal von Christusnachfolge.

Auch wenn sich Josef die Zukunft mit Maria ganz anders vorgestellt hätte, so bleibt er doch treu. Die Beziehung zu Maria ist so sehr in eine Krise geraten, dass Josef sogar an eine Scheidung denkt; er entscheidet sich aber - hörend auf Gottes Botschaft - treu zu sein.

Auch heute sollten wir uns mehr der Treue verpflichtet wissen, Schwierigkeiten überdauern, schwere Zeiten durchstehen und in Treue einer Berufung gerecht werden. Eheleute haben gelobt, einander zu lieben, nicht nur in guten, sondern auch in bösen Tagen, nicht nur in Gesundheit, sondern auch in Krankheit. Gerade in schweren Zeiten braucht der eine die Hilfe und Zuwendung des anderen.

Der heilige Josef ist vielen bekannt durch das Wort "Josefsehe", und damit einfach nicht "up to date". Tatsächlich entspricht das "jungfräuliche Ideal" des heiligen Josef nicht ganz dem kirchlichen und christlichen Idealbild von Ehe und Familie. Zur ehelichen Liebe gehört wesentlich auch das Vollziehen der Ehe, eine Vereinigung, die durch das Sakrament geheiligt ist. Als gewisses Gegengewicht zur Sexualisierung der heutigen Zeit, vermag der heilige Josef dafür ein Zeichen zu sein: Liebe ist nicht nur eine körperliche Beziehung. Es gibt auch andere Dimensionen, die zum Gelingen ehelicher Liebe beitragen. In den verschiedensten Bereichen hat man aufeinander Rücksicht zu nehmen, - und es gibt auch Zeiten von Enthaltsamkeit. - Eheliche Liebe ist in besonderer Weise eine personale Liebe, die nicht nur körperlich, sondern vielmehr auch in einer geistigen Beziehung verwirklicht wird. Oft ist Liebe auch nur eine ganz nüchterne Realität, füreinander da zu sein.

Josef ist der für die Familie Sorgende. Die Bezeichnung "Nährvater" sollte in der heutigen Zeit vielleicht nicht mehr verwendet werden. - Denken wir nur, wie viele "Nährmütter", berufstätige Frauen, es heute gibt. Wenn wir den heiligen Josef nicht sehen als "Nährvater", sondern als Leitbild für den, der für die Familie sorgt, so kann sich auch eine Frau mit Josef identifizieren.

Josef war von Beruf Zimmermann, das heißt ein einfacher Handwerker. Und damit kommt der heilige Josef der heutigen Wirtschaftslage direkt entgegen: Es müssen doch nicht alle studieren! Gesucht werden heute tüchtige Facharbeiter mehr denn je, und nicht Akademiker, für die es dann keine Anstellung gibt. - Man muss nicht unbedingt studieren, um im Leben glücklich zu werden.

Zuletzt wollen wir den heiligen Josef noch als "Patron der Kirche" zur Sprache bringen. Erinnern wir uns an das Wort Jesu: "Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter."

Die eigentliche "Heilige Familie" sind nicht Maria, Josef und das Jesuskind, sondern sind wir, die Kirche. - Josef nun als Mann in der Heiligen Familie ist Beschützer und Patron für die Kirche.

Wollen wir im Vertrauen auf die Fürsprache des heiligen Josef unsere Fürbitten an Gott richten.

Amen.

 

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