Kein Stern über den Dorf
Mitspielende Personen:
1 Erzähler
1 Kaufmann
1 Mädchen
1 Frau
1 Junge Frau
1 Junger Mann
1 Bauernsohn (Sohn)
1 Bauersfrau (Bäurin)
2 Kinder
Szene 1:
Der Erzähler:
Es war einmal, so beginnt auch diese Geschichte. Es war einmal ein Dorf, ein
armes, trauriges Dorf. Der Wind wehte kalt und trocken darüber hinweg, er
brachte weder Tau noch Regen. Da vertrockneten die Gärten und die Felder. Und es
verdorrten auch die Herzen der Menschen. - Und kein Stern leuchtete über diesem
Dorf.
Kaufmann:
Ein - zwei - drei! Alles Hunderter! Das nenne ich einen guten Tag!
Die Frau:
Wir müssten noch weit mehr verdienen, aber wie?
Der Sohn:
Mutter, schließe die Fensterläden, unser Geld geht niemand etwas an.
Der Erzähler:
Das Geld beherrschte alle Menschen, Eltern wie Kinder. So ging es auch mit den
Bauern.
Bauernsohn:
Diese Landstreicher sollen nur versuchen, unseren Weizen zu stehlen. Ich werde
ihnen eins aufbrennen!
Junge Frau:
Bitte, liebe Frau, haben sie nicht etwas Milch für mein Kind? Bitte - nur eine
Tasse voll!
Bauersfrau:
Ich kann keine Milch an fremde Leute geben. Dazu habe ich keine Zeit. Packt euch
fort!
Der Erzähler:
So ist es hier, so ist es da. Nur das Geld war noch wichtig für die Menschen in
diesem Dorf. Nächte ohne Sterne, Tage ohne Sonne. Wer mag da zu leben? Es gab
Zeiten, wo der eine dem anderen ein Licht zutrug, das Licht von Frohsinn und
Freude - da man gemeinsam Feste feierte! Alles vorbei?
Der Erzähler:
Da kommt ein alter Karren auf zwei Rädern heran.
Stimmen:
Was wollen die denn so spät abends hier? Zigeunerpack!
Der junge Mann:
Verzeihung, meine lieben Leute. Ob wir hier in einer Scheune, in einem Stall
oder in einer Garage einen Platz finden für die Nacht?
Leute:
In einer Scheune, nein, das ist zu gefährlich, es könnte ein Brand entstehen.
Ein Stall? - Unmöglich! Im Stall hat unser Vieh kaum Platz! Meine Garage kommt
nicht in Frage. Mein neuer Wagen könnte Kratzer bekommen.
Der junge Mann:
Aber es ist dringend. Meine Frau erwartet ein Kind. Bitte, bitte, helfen sie uns
doch!
Der Erzähler:
Ich habe es ja gesagt. In diesem Dorf ohne Sterne gab es kein Erbarmen. Es war
das kälteste Dorf auf der ganzen Welt. Und dann geschah es - an einem
Wintermorgen, noch bevor es hell wurde.
Bäuerin:
He Mädchen, du Faulpelz! Lauf und hole Stroh für die Tiere!
Mädchen:
Aber Frau, es ist doch noch stockfinstere Nacht! Da - was ist das? Es ist
taghell in der Scheune! Oh, dieses wunderbare Licht! Was sehe ich? - Ihr
hier im Stroh? Himmel! Ist das Kind schön! Aber es hat nichts an. Es muss ja
frieren, das Arme! Hier, liebe Frau! Wickeln sie es in meine Schürze und decken
sie es zu - hier, mit meiner wollenen Jacke!
Junge Frau:
Und du, du wirst ja frieren!
Mädchen:
Ich werde mich warm arbeiten.
Der Erzähler:
In diesem Augenblick, zum ersten Mal seit Jahren, leuchtete über dem finsteren
Dorf ein Stern auf.
Mädchen:
Kommt schnell, kommt schnell zu unserer Scheune! Die Fremden - die von gestern
Abend - haben ein Kind, ein schönes Kind! Und schaut nach oben! Am Himmel über
unserem Dorf leuchtet ein Stern ....
Der Erzähler:
Und das Mädchen allen von dem Kind erzählte, und von der Freude in ihrem Herzen,
da leuchtete ein zweiter Stern auf.
Die Leute:
Was? Ein Stern Ein Kind in der Scheune? Ich muss hin! Ich muss es sehen!
Der Erzähler:
So machten sich alle im Dorf auf den Weg. Aber was war das?Je näher sie kamen,
um so milder und freundlicher
wurden sie. Es war wie ein richtiges Wunder.
Die Leute:
Ja, schön ist es, das Kind. Es ist viel zu kalt für das Kind! Hier fehlt alles,
und wir haben zuhause alles im Überfluss! Liebe Mutter warte, ich hole dir
Bettzeug. Wie die Sterne leuchten! Ein wunderbare Nacht! So froh war ich noch
nie! Ich bin wie verwandelt! Wer mag dieses Kind sein? Wir wollen es noch einmal
sehen!
Die Leute:
Wo ist es? Verschwunden ist es! Aber wohin, das kann doch nicht sein!
Der Erzähler:
Sie wollten es einfach nicht glauben. Dieses Kind war nicht wie andere Kinder!
Ein Kind:
Dies ist die heilige Nacht!
Ein zweites Kind:
Der Sohn Gottes ist zu uns allen gekommen!
Der Erzähler:
Alle im Dorf fühlten sich nun leicht und froh.
Die Leute:
Wie schade, dass sie fort sind. Was hätte ich ihnen alles gerne geschenkt!
Der Erzähler:
Und in dem Dorf war die Liebe wieder eingezogen. Viele Sterne erhellten seine
Nächte. Vater und Sohn stritten nicht mehr so oft. Die Armen fanden Brot und
Arbeit. Endlich war in dem Dorf Friede eingekehrt! Und Weihnachten. Ja, heute
ist Heilig Abend! Es weihnachtet....
Wir wünschen allen ein gesegnetes wie fröhliches Weihnachtsfest!
Einsender bzw. Autor:
Einsender: Maik Schell - Sachsen-Anhalt /D
Autor: unbekannt
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